Hebammen brauchen schnelle und nachhaltige Hilfe

Hebammen brauchen schnelle und nachhaltige Hilfe

In der heutigen, öffentlichen Beratung des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages hat die SPD-Fraktion die Bundesregierung aufgefordert, eine faire Bezahlung der freiberuflichen Hebammen sicherzustellen. Nur so kann die Wahlfreiheit werdender Mütter beim Ort der Geburt ihres Kindes langfristig garantiert werden.

Die freie Wahl des Geburtsortes ist ein hohes Gut schwangerer Frauen. Aber durch die massive Erhöhung der Haftpflichtversicherungsbeiträge und eine deutlich zu niedrige Vergütung sehen sich viele freiberufliche Hebammen nicht mehr in der Lage, eine Geburt im Haus der werdenden Mutter oder in einem Geburtshaus zu ermöglichen. Ab 1. Juli 2010 müssen die 15.700 freiberuflichen Hebammen für ihre Berufshaftpflichtversicherung, die die Geburtshilfe einschließt, 3.689 Euro im Jahr bezahlen. 2007 kostete die Versicherung 1.218 Euro, 1992 waren es 179 Euro!

Jede Hebamme weiß, dass diese Preissteigerung existenzgefährdend ist, viele haben die direkte Geburtenbegleitung bereits aufgegeben und bieten nur noch Vor- und Nachbetreuung. Aber auch hier habe ich von finanziellen Problemen gehört: „Herztöne“, ein Weiterbildungsinstitut für Hebammen, berichtet von den Sorgen und Existenznöten freiberuflicher Hebammen, die nur Vorsorge, Nachsorge und Kurse anbieten. Auch sie leben allzu oft am Existenzminimum: Über 40 Wochenstunden Arbeit bei 7,50 € Stundenlohn.

Was wird für die Hebammen getan? Verhandlungen gab es bereits zwischen Hebammenverbänden und dem Bund der Krankenkassen. Diese waren aber im März 2010 gescheitert. Derzeit findet ein Schiedsverfahren statt. Sollte dieses Verfahren die Probleme der Hebammen nicht lösen, droht ein langes Klageverfahren vor dem Sozialgericht. Für viele Hebammen wäre das das berufliche Aus. Das darf nicht sein!

Während der öffentlichen Beratung der Petition des Hebammenverbandes forderte die SPD-Bundestagsfraktion die Bundesregierung auf, gemeinsam mit allen Beteiligten eine langfristige Lösung im Sinne der Hebammen und der werdenden Mütter herbeizuführen. Als Übergangslösung haben wir vorgeschlagen, die Einführung eines Fonds beim Bundesministerium der Gesundheit zu prüfen, um den Hebammen bis zu einer Neuregelung finanzielle Sicherheit zu verschaffen.

Reine Lippenbekenntnisse zugunsten der Hebammen reichen nicht aus, um Frauen auch zukünftig eine Geburt im vertrauten Umfeld zu ermöglichen und den Berufsstand der freiberuflichen Hebammen dauerhaft zu erhalten.