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50 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen – Debatte im Bundestag

50 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen – Debatte im Bundestag

Heute führte der Deutsche Bundestag eine Plenardebatte zum 50jährigen Jubiläum des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens. Ich habe in meiner Rede Anerkennung und Dank all‘ den Menschen ausgesprochen, die seit Beginn des Abkommens 1961 aus der Türkei in unser Land zugewandert sind und hier gearbeitet, gelebt und auch ihre Heimat gefunden haben.

Im ersten Jahr des Anwerbeabkommens, also 1962, kamen nach Angaben des Statistischen Bundesamts knapp 18.000 Türken nach Deutschland. Es waren oft harte Tätigkeiten, für die in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs vielfach keine einheimischen Arbeitskräfte gewonnen werden konnten. Und es ist nicht allzu oft diesen Menschen dafür gedankt worden, was sie für Deutschland getan haben. Das viel zitierte Wirtschaftswunder Deutschlands wäre ohne ihre Mithilfe nicht vollendet worden. Für Ihre Lebensleistung danke ich ihnen und drücke ihnen im Namen der Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten meine Anerkennung aus.

Anlässlich des Jubiläums bekräftigen wir in der SPD, dass für eine Kultur der Anerkennung und als starkes Signal gerade auch für das deutsch-türkische Zusammenleben der Schritt hin zu echter doppelter Staatsangehörigkeit längst überfällig ist. Es ist doch ein Armutszeugnis, dass im 50. Jahr des Anwerbeabkommens wegen Widerständen aus der Union immer noch nicht die Hinnahme der doppelten Staatsbürgerschaft möglich ist.

In meiner Rede wies ich zu Schluss daraufhin, dass die Aufgabe, die auch 56 Jahre nach der ersten Anwerbung von Gastarbeitern und 50 Jahre nach dem deutsch-türkischen Anwerbeabkommen vor uns liegt, heißt: Wie wachsen wir zu einer solidarischen und starken Gesellschaft zusammen?

Bundespräsident Johannes  Rau sagte im Jahr 2000 treffend: „Es kommt nicht auf die Herkunft des Einzelnen an, sondern darauf, dass wir gemeinsam die Zukunft gewinnen.“

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5 Kommentare

  1. Bettina - 27 Okt 2011 | Reply

    “Das viel zitierte Wirtschaftswunder Deutschlands wäre ohne ihre Mithilfe nicht vollendet worden.”

    Das ist eine verfälschende Darstellung Deutscher Geschichte.

    • Aydan Özoguz - 31 Okt 2011 | Reply

      Das sahen in der Debatte des Bundestages alle Redner der Fraktionen des Bundestages und sowie die Bundesregierung eher anders. Hier können Sie die Plenardebatte noch einmal ab Dokumentseite 89 nachlesen: http://dipbt.bundestag.de/dip21/btp/17/17135.pdf
      Dort sagte z.B. die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer: “Mit ihrem unermüdlichen Einsatz haben diese Gastarbeiter maßgeblich zum Wohlstand unseres Landes beigetragen. Dafür danken wir ihnen sehr herzlich.” Oder Serkan Tören, FDP: “Die türkischen Migranten der ersten Stunde haben unser Land mit aufgebaut und unseren Wohlstand mit begründet.” Dem kann ich nur zustimmen.

      Außenminister Guido Westerwelle schrieb übrigens in seinem Beitrag für die Zeitung «Hürriyet»: “Erst halfen sie bei unserem Wirtschaftswunder. Dann kamen auch ihre Familien und Kinder. Heute gibt es zahlreiche, erfolgreiche türkisch-stämmige Unternehmer, Politiker und Fernsehstars.”

  2. Ali Mente - 28 Okt 2011 | Reply

    Weiter so!

  3. klaus anderl - 3 Jan 2012 | Reply

    wieso besteht eigentlich nur bei den türkischen einwanderer bejubelungsbedarf und nicht bei den italienischen, griechischen und (ehemals) jugoslawischen? dazu hier ein durchaus lesenwerter text des sozialwissenschaftlers hartmut krauss:

    http://www.hintergrund-verlag.de/texte-kapitalismus-50-jahre-anwerbeabkommen-mit-der-tuerkei.html

    • Aydan Özoguz - 4 Jan 2012 | Reply

      Eine berechtigte Frage. Ich habe in meinen Ausführungen im Bundestag, aber auch bei den verschiedenen Empfängen, bei denen ich zu 50-Jahre Anwerbeabkommen mit der Türkei referieren durfte, darauf hingewiesen, dass es 1955 das erste Anwerbeabkommen mit Italien gab. Ähnliche Abkommen folgten mit Spanien und Griechenland (1960), dann der Türkei (1961), Marokko (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und Jugoslawien (1968).
      Im Jahr 2013 könnte man also 50-Jahre Anwerbeabkommen mit Marokko feiern. Da es mehr türkeistämmige “Gastarbeiter” und Kinder sowie Enkel von ihnen in unserer heutigen Gesellschaft gibt, hat man sich dafür in Bundestag, Bundesregierung und auch SPD entschieden, diese Gruppe im Jahr 2011 zu würdigen.

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